Warum Seife sieden?

"Die Seife ist ein Maßstab für den Wohlstand und die Kultur der Staaten."

 

Früher war Seifensieder ein Ausbildungsberuf, doch ist er leider mit der industriellen Seifenherstellung untergegangen. Heute gibt es viele Menschen, die tatsächlich nicht mehr wissen, dass man mit Seife duschen kann, weil wir mittlerweile alle an Chemie aus Flaschen (Shampoo, Duschgel, Flüssigseife) gewöhnt sind, durch deren Benutzung wir die Ozeane unbekümmert mit Microplastik anreichern (übrigens auch diejenigen unter uns, die im Umweltschutz besonders aktiv sind, verwenden meist dieses Zeug, obwohl es der Umwelt alles andere als guttut - und der Haut schon gar nicht).

Natürlich haben Seifen mit Palmöl andere umweltschädliche Komponenten, aber die weit überwiegende Anzahl meiner Seifen kommt ohne Palmöl aus.

Die Zahl der Menschen, die sich für Naturseife interessieren, nimmt zu, viele beschäftigen sich auch wieder mit ihrer Herstellung - ein Wissen, das lange Zeit verschüttet war.

Noch vor gar nicht allzu langer Zeit war das Herstellen von Seifen für den täglichen Gebrauch übrigens auch Teil des Pflichtenkanons einer Hausfrau - die einzige Hausarbeit, die ich ohne Murren erledigt hätte. 🙂

Eine Seife zu sieden, muss nicht teuer sein, weil man viele Pflanzenöle verwenden kann, die man im Supermarkt erhält (z.B. Rapsöl, Distelöl ölsäurereich, Kokosöl (= Palmin) und Fettstange ergeben eine wunderbar pflegende Seife, die nicht viel kostet. Wobei die Fettstangen allerdings Palmöl enthalten. Will man das nicht, muss man auf Sheabutter oder eine andere Butter zurückgreifen. Trotzdem sparen Pflanzenölseifen dann an anderer Stelle, denn man muss viel weniger eincremen, wenn man sie auch zum Duschen, benutzt. Sie enthalten keine Microplastikpartikel sowie keine Emulgatoren und künstliche Konservierungsstoffe, deshalb sind sie auch für Allergiker in aller Regel viel besser verträglich. Auch Plastikverpackung kann man sparen.).

Und Flüssigseife ist letztlich wie Spülmittel: Sie säubert, aber sie zieht die Flüssigkeit aus der Haut. Außerdem bieten die Verkrustungen auf den Spendern einen wunderbaren Nährboden für alle möglichen Keime. Das ist bei Pflanzenölseife nicht der Fall.

 

 

Dneben gibt es noch weitere gute Gründe für das Selbersieden:

 

1) Man weiß, womit man sich wäscht und was man an seine Haut lässt, schließlich sucht man 

    die Inhaltsstoffe selbst aus - handgemachte Seife ist ein kleiner Luxus im Alltag!

    

2) Man hat genau die Inhaltsstoffe, Düfte, Farben und Muster, die man möchte

 

3) Seife verbraucht sich - das tut Selbstgeschnitztes nicht 🙂

 

4) Man ist nie um ein Geschenk/ein Mitbringsel verlegen und macht Anderen noch eine echte

    Freude damit

 

5) Von edel-schlicht und einfach herzustellen bis bunt und aufwändig - in der Gestaltung sind

    der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Die handwerkliche Herausforderung immer neuer

    Muster und die Umsetzung immer neuer Ideen lassen die Herstellung für mich zu einem

    unverzichtbaren kreativen Moment in meinem Alltag werden

 

6) Wer sich einmal mit einer (z.B.) nach Schokolade duftenden Seife gewaschen hat, weiß,

    warum selbst gesiedete Seife auch olfaktorisch ein Genuss ist - und so etwas kann man eben

    nicht an jeder Ecke kaufen

 

7) Handgesiedete Seife enthält  das feuchtigkeitsspendende Glyzerin, das industriell

    hergestellter Seife entzogen (und anderweitig verarbeitet) wird. Außerdem sind selbst

    gesiedete Seifen überfettet/unterlaugt und deshalb rückfettend, denn viele

    Bestandteile der Fette bleiben unverseift erhalten. Die Haut  fühlt sich deutlich

    glatter und weicher an, sie wirkt gepflegter, und man muss viel weniger cremen als nach

    der Benutzung industriell hergestellter Reinigungsprodukte (Seife/Flüssigseife/Dusch-

    gel)

 

8) Bei der Heißverseifung lassen sich die Wirkstoffe bestimmter Öle gezielt einsetzen

 

9) Wer die Ozeane mit Microplastik verschonen will, benutzt Naurseife statt Chemie in Flaschen (Duschgel, Shampoo) - und Selbermachen ist dabei noch günstiger als Kaufen.

 Es gibt keine Argumente gegen das Selbersieden 😉.

 

Seife zu sieden, hat sehr viel mit Liebe, Kreativität und Leidenschaft zu tun: Die Liebe zu den Rohstoffen und auch zu dem wunderbaren Gefühl, das Naturseife nach dem Duschen auf der Haut hinterlässt, der Leidenschaft für immer neue Muster, Formen, Farben und Düfte, die Kreativität beim Ersinnen und Umsetzen neuer Gestaltungsideen. Es ist ein Element meines Lebens, das ich auf keinen Fall mehr missen möchte und das einen wunderbaren Ausgleich zu meinem Beruf schafft. Seife zu sieden, hat etwas Meditatives und beansprucht handwerkliche Fähigkeiten genauso wie Kreativität.

Eine Zeit lang - und auch immer mal wieder, z.B. bei der Harry Potter-Serie, - habe ich mithilfe von Stempeln "Bildergeschichten" auf Seifen gebracht, was mir im Seifentreffforum den Ehrentitel "Stempelqueen" eingetragen hat. Auch meine Seifen-Serien (Märchen, Krimi, Harry Potter, Pin Up-Grils, Kino) enstprangen meiner Freude am Entwickeln und  Umsetzen von Ideen, einen bestimmten Sachverhalt in Seife festzuhalten. Und das Schöne ist, dass die Produkte nicht einfach in der Ecke stehen und einstauben, sondern auch noch jeden Tag bei der Benutzung Freude machen.

Wer in den Seifenforen aktiv ist, wird schnell feststellen, dass jede* Siederin ihre eigene Handschrift hat - man erkennt die Urheberin schon von Weitem, ohne dass man genau sagen könnte, woran. Es hat auch jede ihre eigenen Vorlieben, was die Gestaltung angeht und welche Techniken sie besonders interessant und spannend findet. Selbst wenn zwei Siederinnen das gleiche Muster sieden, sieht es niemals exakt gleich aus - es ist in der Tat ein sehr individuelles Hobby, über das man sich ewig austauschen kann (und auch austauscht 🙂). Jede Seife ist unverwechselbar ein Produkt ihrer Urheberin und schon deshalb etwas ganz Besonderes.

* für die bessere Lesbarkeit habe ich die weibliche Form gewählt (eine neutrale gibt es nämlich nicht) - Sieder sind aber natürlich genauso gemeint!

Wenn Ihr Seife siedet, denkt daran:

"Kreativität ist Intelligenz, die Spaß hat!"

(Albert Einstein)

 

 

Der Schutzpatron der Seifensieder ist übrigens St. Florian....