Swirl-Werkzeuge

Wenn man erst einmal ein paar Seifen gesiedet hat, möchte man sie irgendwann auch schöner gestalten. Man kann dies auf verschiedene Weise tun, z.B. auch durch das einfache Trichtern von Farben. Es kommt aber unweigerlich der Moment, in dem man endlich einmal swirlen möchte...

Zu bedenken ist, dass der Seifenleim, während man so vor sich hin werkelt, immer weiter verseift, also dicker wird. Je nach gewählter Ölkombination oder/und Parfümöl geht das mal schneller, mal langsamer. Eine Rolle spielt auch die Arbeitstemperatur (je wärmer, desto schneller läuft die Verseifung ab) und wie sehr man den SL püriert hat (je mehr, desto schneller läuft die Verseifung ab).

Es ist also keine Option, den SL herzustellen und dann erst einmal eine halbe Stunde mit der besten Freundin zu telefonieren - wenn man zurück in die Küche kommt, kann der SL schon zu fest zum Swirlen sein.

Jeder Swirl erfordert eine andere SL-Konsistenz - die richtige zu erwischen, ist das Schwierigste beim Seifeln. In aller Regel (von besonderen Swirls einmal abgesehen) sollte der SL die Konsistenz von Kartoffelsuppe haben. Man muss aber daran denken, dass der SL am Ende der Prozedur dicker sein wird als am Anfang, wenn man nicht außerordentliches Glück und alles "richtig" gemacht hat bei der Ölauswahl, dem PÖ, der Arbeitstemperatur und der Pürierdauer.

Ist der SL zu dick, lässt er sich nur noch sehr mühsam bewegen, ein filigraner Swirl ist dann praktisch ausgeschlossen.

Ist er zu dünn, laufen die Farben ineinander und man hat eine dünne Einheitssuppe in Khaki oder Grau (je nach gewählten Farben), mit der sich beim besten Willen kein Swirl mehr herstellen lässt (vom "Swirl für Dummies" einmal abgesehen).

Je nach Dicke des SL sind andere Swirlwerkzeuge erforderlich. Alle Möglichkeiten vorzustellen, ist ausgeschlossen, denn es sind zu viele, deswegen beschränke ich mich auf einige wenige. Wie Ihr unter "Siebtechnik" und "Schneebesenswirl" hier auf meinem Blog sehen könnt, erzielt man z.B. auch mit einem Küchensieb (und eher dünnflüssigem SL) oder einem Schneebesen aus Edelstahl oder Kunststoff (Kartoffelsuppekonsistenz!) schöne Muster. Dasselbe gilt, wie erwähnt, für das Trichtern der Farben, für das der SL aber Kartoffelsuppekonsistenz haben sollte.

 

Stäbchen

Stäbchen im weitesten Sinne sind dazu geeignet, verschiedene - in aller Regel horizontal eingefüllte - Farben zu einem Muster zu ziehen. Beispiele findet Ihr unter "Seifen im Jan 2018". Je dicker der SL schon ist, desto stärker muss das Stäbchen sein.

von links nach rechts: Thermometer, Doppelessstäbchen, Essstäbchen, dünner Glasstab, Schraubendreher, Schaschlikstäbchen, Essstäbchen - die Materialien dürfen auf keinen Fall aus Metall sein (Ausnahme Edelstahl, wie alle metallenen Stäbchen oben).

Bügel

Mit Bügeln bewegt man mehrere vertikale Farbschichten. Viele Sieder verwenden als Swirlbügel abgeschnittene Kleiderbügel, die dann aber unbedingt beschichtet sein müssen, da Seife bei Kontakt mit anderem Metall als Edelstahl ranzgefährdet ist. Man kann den Kleiderbügel mit Frischhaltefolie umwickeln oder auch Strohhalme darauf stecken, die dann aber an ihren Enden mit Klebeband miteinander verbunden werden müssen.

Kleiderbügel haben für mich den Nachteil, dass man für jede Form - denn sie sind ja unterschiedlich lang, wenigstens meine - einen anderen Bügel braucht. Auch ist die Dicke nur sehr eingeschränkt variabel. Deshalb benutze ich Kabelbinder und Blumendraht als Swirlbügel: Die sind bereits beschichtet und in der Länge jederzeit variierbar.

Beispiele für Bügelswirls findet Ihr auf meinem Blog zuhauf, z.B. den Secret Swirl. Auch auf You Tube findet Ihr tausendundeine Möglichkeit zu swirlen (mit Stäbchen oder Bügeln).

Blumendraht gibt es in verschiedenen Stärken - ich habe drei verschiedene, hier aber nur den dünnsten fotografiert.

mein dünnster Blumendraht-Bügel

mein dickster Kabelbinder-Bügel

Taiwan Swirl-Formen

Vertikal trennt man die Farben, indem man die Schichten aufeinander aufbringt. Dazu muss die untere Schicht schon so fest sein, dass sie die obere tragen kann, denn sonst verschwimmen alle Farben ineinander. Stark andickendes oder gar Blitzbeton-PÖ ist hier leider keine Option, weil der Bügel durch die erstarrte Masse nicht mehr durchkommt.

Es hilft, die Mengen für die Farben einzeln zu pürieren, also im sehr gut (!) emulgierten Zustand den SL auf die Farben aufzuteilen und dann jede einzelne Charge unmittelbar vor dem Einfüllen zu pürieren. Denn ansonsten - wenn man den SL einheitlich püriert - kann die oberste Schicht schon zu fest sein, wenn man endlich zu ihr kommt.

Horizontal kann man die Farben durch Trenner separieren. Man kann sie sich aus Pappe oder dünnen Schneidebrettchen (z.B. von IKEA) selbst zusammneschneiden, aber erstens bin ich nicht der akkurate Handwerker vor dem Herrn (es muss absolut passgenau sein), und zweitens läuft man immer Gefahr, dass die Trenner beim Einfüllen verrutschen. Deshalb nehme ich in aller Regel Taiwan Swirl-Formen, von denen ich im Laufe der Jahre viele unterschiedliche angesammelt habe. Zwei davon zeige ich hier.

Längsseparierung

Querseparierung

Löffel

Auch mit einem Esslöffel kann man swirlen: Der Seifenleim sollte mindestens leichte Puddingkonsistenz haben. Die Farben werden entweder geschichtet oder durcheinander in die Form gebracht. Dann wird die gesamte Masse in der Form mit dem Löffel mehrmals gewendet. Sieht auch nett aus und wird von mir als "Plan B" immer wieder gern genommen, wenn der SL unversehens zu stark angedickt ist (s. "Plan B" hier auf meinem Blog).

Kamm

Auch mit einem Kamm kann man Muster erzeugen - zu empfehlen ist aus meiner Sicht ein Holzkamm mit nicht allzu engen Zacken. Der Seifenleim sollte Kartoffelsuppekonsistenz haben.

Beispiele für einen Kammswirl findet Ihr untenstehend

diese Seife wurde damals vor dem Begradigen der Kanten ("Aufhübschen") fotografiert