"böse" PÖs - gibt es das eigentlich?

Als ich anfing zu sieden, habe ich andickende oder gar Blitzbeton verursachende Parfümöle (PÖs) gemieden - inzwischen kaufe ich sie ganz gezielt.

Es gibt keine "bösen" PÖs, nur böse Überraschungen, wenn man vorher nicht weiß, wie sich die Düfte in CP-Seife verhalten. Weiß man das aber, kann man ihre "bösen" Eigenschaften wunderbar nutzen, ganz besonders wenn man, wie ich, zu Ungeduld neigt. Cool

Denn die Alternative zu einem andickenden PÖ ist langes Warten... Und während man lange wartet, dickt häufig genug die zweite Charge so an, dass man mit ihr nicht mehr das machen kann, was man eigentlich vorhatte.

Bei einer Heißverseifung ist es egal, ob ein PÖ andickt, "brav" ist oder gar Blitzbeton verursacht, denn es wird ja erst nach Abschluss der Verseifung hinzugefügt. Die untenstehenden Tipps gelten deshalb nur für CPs, also kaltgerührte Seifen.

andickende PÖs

Andickende Parfümöle kann man wunderbar benutzen, wenn man z.B. "Zackenseifen" wie auf den nachstehenden Fotos abgebildet, herstellen möchte. Der Seifenleim muss sehr gut emulgiert (am besten von Hand), aber allenfalls dünn zeichnend sein. Das PÖ erst kurz vor dem Einfüllen in die jeweilige Charge des Seifenleimes geben, gut umrühren und in die Form geben. Erst dann, wenn die erste Charge fest ist, die nächste Charge beduften und ebenso verfahren.

Wie man eine "Zackenseife" herstellt, könnt Ihr unter "Seifen im Nov 2016" hier auf meinem Blog sehen ("Geisterstunde").

Auch für andere Techniken eignet sich das "Beduftungsverfahren" gut - allerdings natürlich nicht für das Swirlen!

Auf keinen Fall den Seifenleim im Topf und auf einmal beduften!

Blitzbeton-PÖs

Bei BlitzbetonPÖs erstarrt der Seifenleim innerhalb weniger Sekunden, deshalb sind sie wunderbar geeignet für geometrische Seifen.

Auch hier heißt die Alternative: Lange, lange warten. Oder aber den Herstellungsprozess auf mehrere Tage ausdehnen (was ja auch nichts anderes ist).

So gehe ich vor: Den Seifenleim sehr gut emulgieren (von Hand), aber nicht pürieren oder allenfalls ein paar Pürierstabstöße machen. Der Seifenleim muss noch dünnflüssig sein (aber, wirklich wichtig: Sehr gut emulgiert). Dann teile ich ihn auf und färbe ihn. Jede Charge bekommt erst unmittelbar vor dem Einfüllen ihren "Anteil" am PÖ. Dadurch dass der Seifenleim noch sehr dünn ist, hat man ausreichend Zeit, ihn gut in die Form zu bringen, ehe er erstarrt. Deswegen auf keinen Fall länger pürieren, wenn man eine geometrische Seife herstellen (und nicht warten) will!

 

Die Streifen werden gerade. Und das Herstellen der Seifen auf den Fotos hat nicht länger gedauert als andere Seifen auch, weil jede Schicht sofort fest ist und die nächste darauf angebracht werden kann.

Ganz ehrlich: Ich liebe BlitzbetonPÖs inzwischen!

Nicht geeignet sind sie aber, wenn man mit einem Trenner in der Form arbeitet. Erstens bekommt man den nur noch sehr schwer heraus, und zweitens bleibt zwischen den Seifenleimteilen ein Spalt, so dass man zwei getrennte Teile erhält (und wer will das schon?). Auch andickendes PÖ würde ich beim Arbeiten mit Trennern nicht riskieren.

Man kann sie auch kombinieren...

Bei nachstehender Seife habe ich BlitzbetonPÖ und "braves" PÖ (für den Mittelteil) kombiniert. Da musste ich natürlich ein wenig warten, bis die Mitte fest war - in solchen Fällen sprühe ich kosmetischen Alkohol auf, aber das verkürzt die Wartezeit nur unwesentlich, wenn die Schicht darunter noch eher flüssig ist.Winken

Die Kerben unten kommen von einer Prägematte